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Worüber ich mich noch aufregen wollte


Postsachen

Worüber ich mich noch aufregen wollte >>

Ich habe einen freien Tag und erledige endlich mal einige Dinge, die schon längst überfällig sind. Unter anderem steht ein Besuch bei der hiesigen Niederlassung der Deutschen Post auf dem Programm. Die Mission:

  1. Ein altes Sparbuch (so richtig als Papier, jede Kontobewegung wird hübsch eingetragen, wenn man es vorbei bringt. Immerhin seit einiger Zeit nicht mehr per Hand mit Lineal) soll umgewandelt werden in die doch etwas zeitgemäßere Spar-Card. Die gibt es nämlich bei der Post mittlerweile auch!
  2. Ein weiteres Sparbuch, das wir vor Ewigkeiten mit vierjähriger Kündigungsfrist (da gibt es dann immerhin 2% Zinsen!) für das Kind eingerichtet hatten, soll endlich mal gekündigt werden, damit sie möglichst noch vor Eintritt in den Ruhestand darüber verfügen kann.

Man sollte meinen, das sei nicht so schwierig, zumal ich alle erforderlichen Antragsformulare bereits von der Website der Deutschen Post heruntergeladen und ausgefüllt habe. Trotzdem fange ich erst mal mit dem einfachen Dingen an:

- „10 Briefmarken zu 55 Cent, bitte“.

Das beherrscht die Dame virtuos, die Marken wechseln innerhalb kürzester Zeit den Besitzer.

- „Kommt noch etwas dazu?“
- „Ja, diese beiden Sparbücher ....“ und ich bringe mein Anliegen vor.
- „Äh – das geht aber hier nicht, da müssen Sie zu unserem Finanzcenter 3 Kilometer entfernt, am besten rufen Sie vorher an und vereinbaren einen Termin, hier ist die Telefonnummer“.

Und schon habe ich eine Visitenkarte in der Hand. Immerhin schiebt die Dame die Sparbücher noch in ihren Drucker und trägt die letzten Änderungen nach. Jetzt sind sie wenigstens auf einem aktuellen Stand. Ein verständnisloses Kopfschütteln kann ich mir trotzdem nicht verkneifen.
Unverrichteter Dinge gehe ich also nach Hause, greife zum Telefonhörer und rufe weisungsgemäß im Finanzcenter an.

- „Kann ich sofort bei Ihnen vorbeikommen oder ist es so voll, dass ich einen Termin vereinbaren muss?“
- „Worum geht es denn?“
- „Zwei Sparbücher ...“ und wieder die ganze Litanei.
- „Wieso Termin, das können die Mitarbeiter an jedem Postschalter machen!“

Moment mal, habe ich da nicht gerade eben noch eine ganz andere Auskunft bekommen? Ich frage sicherheitshalber noch einmal nach und wiederhole die Aussage der Post-Mitarbeiterin von vorhin.

- „So ein Quatsch! Kommen Sie am besten mal gleich hier vorbei.“ Das war deutlich.

Gut, dass ich frei habe, da kann ich mich gleich auf dem Weg machen. Die Wartezeit hält sich in Grenzen, bald stehe ich wieder am Postschalter, in einer anderen Filiale diesmal.

- „Was kann ich für Sie tun?“
- „Diese beiden Sparbücher ....“  Litanei zum dritten Mal.
- „Ja, einen Moment bitte“ Und kommt mit einem Stapel Antragsformulare zurück.
- „Füllen Sie das hier bitte mal aus.“

Triumphierend ziehe ich meine bereits vorbereiteten Formulare aus der Tasche und reiche sie der Mitarbeiterin.

- „Wo haben Sie DIE denn her?“
- „Äh - aus dem Internet“
- „Was, da gibt es das auch? Da muss ich mal meine Kollegin fragen, ob das so einfach geht“

Geht zum Glück, ich muss nichts neu ausfüllen, nur meinen Personalausweis zeigen. Dann wird das erste Sparbuch einfach einkassiert, ich bekomme eine Quittung.

- „Die Karte kommt dann per Post“
- „Wie lange dauert das ungefähr?“
- „Da haben wir gar keine Erfahrungswerte.“

Na  klar, alle anderen Postkunden wollen vermutlich lieber ihr altes Buch behalten, da kommt das nicht so oft vor ...

Jetzt das also das zweite Buch.

- „Das muss aber Ihre Tochter selbst machen“ 

Nein, muss sie nicht, sie ist nämlich minderjährig und in dem Buch liegt ein extra-Zettel, dass Mama und Papa bis zu ihrer Volljährigkeit mit dem Ding tun und lassen können, was sie wollen. So   zum Beispiel auch kündigen. Na gut, das sieht die Dame dann ein.

- „Aber warum kündigen Sie das für in vier Jahren?“
- „Weil dieser Vertrag eine vierjährige Kündigungsfrist vorsieht.“
- „Davon steht aber gar nichts in dem Buch!“
- „Aber Sie können doch sicher das Konto an Ihrem Computer aufrufen und das feststellen?“
- „Nein, das können wir von hier aus nicht. Sind Sie denn ganz sicher mit der Kündigungsfrist?“
- „Ja, natürlich, sonst hätte es ja nicht die üppigen 2% Zinsen gegeben“
- „Stimmt auch wieder. Bitte, da haben Sie das Buch zurück, ich nehme die Kündigung mal mit. Und in vier Jahren muss Ihre Tochter dann kommen und das Guthaben abholen. Aber nicht vergessen, dafür sind nur vier Wochen Zeit, danach wird das Geld wieder so angelegt wie vorher“

Wie bitte? Das Kind soll sich selbst einen Termin für in vier Jahren setzen? Eine Erinnerung von Seiten der Postbank gibt es nämlich nicht, da habe ich mich extra noch einmal vergewissert. Und jetzt bereits ein Konto angeben, auf das das Guthaben dann später überwiesen werden soll, das geht auch nicht. Und erst auf meine nochmalige Frage bekomme ich auf meine Aktenausfertigung des Kündigungsvordrucks einen Stempel, damit die Kündigung überhaupt wenigstens irgendwo dokumentiert ist. Von selbst hätte das niemand getan.

Jetzt werden wir also mindestens 10 verschiedene Teminkalender in Papier- oder  elektronischer Form mit diesem Date füttern, immer in der Hoffnung, dass zumindest eine Erinnerung dann auch wirklich ankommt.

Ach ja, inzwischen ist auch die Spar-Card per Post bei uns angekommen. Zwei Stück, um genau zu sein, eine für jeden. Mit Begleitschreiben.

„ ... Bitte unterschreiben Sie auf der Rückseite mit einem wischfesten Stift... .“

- erledigt -

„...Für Abhebungen am Geldautomaten und für das Telefonbanking benötigen Sie jeweils eine PIN, die Ihnen in den nächsten Tagen mit gesonderter Post zugeht...“

Ja sicher, das kennt man ja schon, ist ja nicht die erste derartige Karte, die man bekommt. Was allerdings Premiere ist: Die PIN fürs Telefonbanking kam nicht mit gesonderter Post, sondern lag am selben Tag im Briefkasten.

Es lebe die Sicherheit!
 

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Kommentare

Ui, Telefonbanking By Unbekannt on 21.04.2009 at 23:04
So etwas Modernes nutzt ihr schon?

SCNR
Nur zur Klarstellung: By Unbekannt on 22.04.2009 at 08:13
Habe ich behauptet, dass wir das nutzen? Das gab es im Paket dazu. Abbestellen ging leider nicht, damit wäre die Post vermutlich überfordert.
Wir füllen natürlich weiter unsere Zettel aus und werfen sie bei der Post in den Sammelkasten!
:-)
KplLWesogHnusyWT By Unbekannt on 13.08.2010 at 12:17
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Was fällt mir dazu ein?