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Das Krause-Familien-Wörterbuch Teil 2


Dieses Wörterbuch enthält ausgewählte rheinische, plattdeutsche, ruhrgebietsdeutsche und andere regionale Ausdrücke, die sich in unser tägliches Familien-Deutsch eingeschlichen haben und über die niemand mehr nachdenkt. 

Natürlich könnte man auch nachschlagen unter

Rheinisch
 
oder

Plattdeutsch
 
oder

Ruhrgebietssprache
 
Aber so einfach ist das nicht. Erstens verstehen wir davon das meiste selbst nicht. Und zweitens haben einige Begriffe bei uns eine ganz eigene Bedeutung bekommen, so dass man nie sicher sein kann, dass wir auch wirklich das meinen, was andere vielleicht darunter verstehen.
Und nicht zu vergessen: die vielen Eigen-Kreationen, die ohnehin in keinem noch so klugen Lexikon stehen

Darum hier also das ganz persönliche Krause-Lexikon.
Für Erweiterungs- und Verbesserungsvorschläge habe ich jederzeit ein offenes Ohr.

Und zur besseren Übersicht: Die aktuellsten Beiträge sind in dieser schicken Trendfarbe gekennzeichnet.

Und zum schnelleren Finden: 

A - J K L M N O P R - Z


Kabäusken

kleine Hütte, Schuppen

Kalabräser Voluminöses Lebewesen, am meisten gebraucht für fette Kater, aber durchaus flexibel handhabbar (siehe auch Oschi)
kafetschen streiten

Kallbacken

Viel- und Dummschwätzer

Kanane Wortkreation unserer Tochter, die es uns erlaubt, reife gelbe Bananen von unreifen grünen, eben Kananen, zu unterscheiden

Kappes

eigentlich Weisskohl, aber auch flexibel nutzbar für andere Kohlsorten (wird dann schon verstanden)

Mist, abgeschwächte Form von Driss („watt'n Kappes!“)

Kappeskopp auch für Blödmann
Kauken Plattdeutsch für Kuchen, wird nicht von allen Familienmitgliedern gleichermaßen geschätzt

Kawenzmann

großer Mensch oder auch großes Tier

Kiff hat nicht im Entferntesten etwas mit Drogen zu tun, sondern bezeichnet einen (nicht gerade sehr geschmackvollen, wenn das überhaupt geht), Hut. Auch für andere Kopfbedeckungen gebräuchlich, Hauptsache, sie sind hinreichend hässlich.

Killefitt

Unsinn, auch unnützer Kleinkram

klamüsern sortieren, trennen, aber auch jmd. etwas erklären, auseinandersetzen (eigentlich: auseinanderklamüsern)
Klatsche "der hat ein' anner Klatsche" = "der tickt nicht ganz richtig"
klätschnass das, was woanders als "pitschnass" bezeichnet wird
Klötzchenfisch die treffendste Bezeichnung, die es für ein kulinarisches Verbrechen wie Fischstäbchen geben kann!
Klotasche Behältnis zum Transport von Körperpflege-Artikeln, Kulturbeutel klingt zu sehr nach Opern- oder Museumsbesuch. Nimmt man da etwa so was mit?
Klümpken, Plural Klümpkes Bonbon; taucht immer mal wieder auf (mittlerweile republikweit) in Form von Verkaufswagen der Firma "Klümpkes-Müller" vom Niederrhein
Klüsen Augen, vorwiegend, wenn sie aus Müdigkeits- oder sonstigen Gründen dick und verschwollen sind ("Kannst ja kaum noch aus den Klüsen gucken!")
Klumpatsch Kram, Zeug. ("Das Kinderzimmer war nicht aufgräumt, da hat die Mutter den ganzen Klumpatsch aus dem Fenster geworfen" - ich sage jetzt nicht dazu, welche Mutter)
Knatsch gründlicher Streit und die darauf folgende dicke Luft
knatschen quengeln (mit langem "a" gesprochen), gleichwertig mit nölen
Kneipe Sammenbezeichnung für gastronomische Einrichtungen aller Art, das geht von der übelriechenden Eckkneipe bis hin zum Edel-Restaurant
knickerig geizig, s. auch kniepig
kniepig geizig, s. auch knickerig
Knifte Butterbrot, Stulle s. auch Dubbel
knüselig schmutzig, ungepflegt

kodderig

"mir ist kodderig" = "mir ist schlecht"

Köpper Kopfsprung; ehrfürchtige Bewunderung ernteten immer diejenigen, die sich "Köpper vom Dreier" trauten

Kopping

Kopfschmerzen

krakelen laut schreien oder zetern
krosen kramen
Kürmel heilige Unordnung,  in einigen Räumen des Hauses drängt sich der Eindruck auf, es habe soeben ein Erdbeben mittlerer Stärke stattgefunden
Kusselkopp (mit weichem "s" wie "Soose") Purzelbaum, gebräuchlich im Ruhrgebiet und am Niederrhein, fein zu unterscheiden von Podisching

laff

geschmacklos, wenig gewürzt; "Iss'n bissken laff, tu mich ma die Maggi-Flasche"
lappen (allerdings nie im Infinitiv gebraucht) anstellen im Sinne von ausfressen ("Du siess aus, als hättse 'n schlechtes Gewissen, hasse wat gelappt?")
Last

niederrheinische gern und häufig genutzte Bezeichnung für Krankheiten aller Art:

"Ich hab immer so Last mitte Beine", "Wennich datt noch esse, habbich morgen Last mittem Magen", ... Die Reihe lässt sich beliebig fortsetzen.
Latüchte Lampe
linseröm rheinisch für "links herum", wird aber weniger häufig verwendet als das entsprechende "reseröm"
Lobeda Eigentlich ein Stadtteil von Jena. Wenn man auf der Autobahn darauf zufährt, ragt eine Unmenge von riesigen Plattenbauten in die Landschaft. Mittlerweile bei uns ganz allgemein ein Begriff für Stadtviertel mit vielen Hochhäusern. Das kann in allen Städten sein. aber auch die 3-4geschossigen Wohnhäuser am Rand eines Dorfes, das sonst nur aus Bauernhöfen besteht (z.B. "Groß-Briesen-Lobeda")
Lorenz Sonne; "der Lorenz knallt mal wieder ganz ordentlich"
Lück rheinisch für "Leute"
lünkern heisst soviel wie gucken, aber an Stellen, wo man eigentlich nicht sollte, z.B. durch's Schlüsselloch oder, wenn man eigentlich versprochen hat, die Augen geschlossen zu lassen, gleichbedeutend mit spinxen

Lutsch

Zu Baby-Zeiten unserer Tochter mal gehört in Luxemburg für „Schnuller“; gefiel uns so gut, dass wir es sofort in unseren aktiven Sprachgebrauch übernommen haben

Luurmascheng

Brille. Von rheinisch „Luure“, was soviel heisst wie sehen („Luur ens“ bedeutet „schau mal“); die gesamte Familie ist damit ausgestattet, die Bereitschaft, sie auch zu tragen, ist allerdings höchst unterschiedlich ausgeprägt


Mail - äh - SMS
kommt hier immer mal wieder vor, dass die Begriffe durcheinander geworfen werden, daher hat sich dieser Sammelbegriff etabliert, da macht man jedenfalls nichts falsch
Malesse Probleme, aber auch Schmerzen ("Ich hab schon seit Tagen Malesse mitte Zähne")
Mao-Rotze Asiatische Suppe (Bihun-Suppe oder Thai-Suppe oder was sonst noch auf dem Fertigsuppen-Markt ist). Ob der Begriff wirklich salonfähig ist, darüber mache ich mir lieber keine Gedanken, er wurde aber vor Jahrzehnten von einem ehrwürdigen Schul-Rektor geprägt, also kann es so schlimm nicht sein.
mechant extrem hässlich, tut fast schon weh
menno! Ausruf unserer Tochter, wenn es nicht nach ihrem Willen geht. Früher häufig mit wütendem Fußstampfen verbunden, mittlerweile ist sie etwas ruhiger geworden

Met betaal

gebührenpflichtig, insbesondere bei Parkplätzen; „Urlaubsmitbringsel“ aus Holland

Modder

Matsch, Morast

Möllemann Einkaufswagen-Chip, nach der Briefbogen-Affäre in unseren täglichen Sprachgebrauch übergegangen

Mostert

Senf

MTV immer wieder beliebte Art, Speisen zu sich zu nehmen: MitTiVinger
muchtig kann man überhaupt nicht 1:1 übersetzen, am ehesten trifft es vielleicht heruntergekommen.


nacke Pööt nackte Füße; es fehlen nicht nur die Schluffen, sondern auch noch die Socken
nippig allgemein verständlich vermutlich im Sinne von kitschig.
Nach einem besonderen Erlebnis hat dieses Wort für uns auch noch eine ganz eigene Bedeutung: Eine Urlaubsbekannte aus einer Gegend Deutschlands mit merkürdigem Dialekt erzählte von einer Bergwanderung, bei der es furchtbar "nippig" gewesen sei. Höflichkeitshalber fragten wir lieber nicht nach und so dauerte es ziemlich lange, bis wir herausfanden, dass sie "nebelig" meinte.
Hat aber so nachhaltigen Eindruck auf uns gemacht, dass wir es in unseren Sprachgebrauch übernommen haben.
nochens rheinisch für "noch einmal" (oder in Teletubbie-Sprache "nommalnommaaal!")
nölen quengeln, gleichbedeutend mit knatschen


OG

gebräuchliche Abkürzung für den Ortsgeistlichen

Omma die Großmutter mütterlicherseits; zur besseren Unterscheidung von "Ooma" wurde die Schreibweise kurzerhand von unserer Tochter entsprechend angepasst
Ooma die Großmutter väterlicherseits; Verwechslungen mit der Omma sind damit ausgeschlossen

Opernkleidung

Nicht etwa das „Kleine Schwarze“, sondern Regenjacke und -hose; bei mehrern Open-Air-Opernbesuchen unverzichtbar, seitdem gängiger Sprachgebrauch

Oschi

sehr variabel auf Lebewesen und Gegenstände anwendbar, einzige Voraussetzung: auffällig groß / dick

Osel Kind, ziemlich klein; meistens von größeren Kindern so tituliert
Ost-Kekse Runde, ziemlich trockene Kekse. Wurden von unseren Mitreisenden in Estland so tituliert - im Gegensatz zu den West-Keksen (woher die beiden den Unterschied zwischen Ost- und West-Keksen kennen, haben sie mir nicht verraten. Wenn sie tatsächlich beides im Original noch gegessen haben, kann als Geschmacksrichtung in beiden Fällen nur noch "muffig" herausgekommen sein, denn bei der Geburt des älteren der beiden war "Ost" und "West" schon seit über einem Jahr abgeschafft).

Pänz

Kinder (gleichbedeutend mit Blaagen)

pampig frech, aufsässig (gibt es bei uns aber nur theoretisch)
Perückenkutsche vorwiegend an Sonntagnachmittagen mit schönem Wetter zu erblicken: Auto (in der Regel größere Limousine Typ Audi, Opel oder auch Mercedes). Besatzung: vorn zwei Herren, wahlweise mit Glatze oder Hut, hinten zwei bis drei Damen mit der typischen Alte-Damen-Einheitsfrisur oder eben Perücke. Gesamtalter ca. 400 - 500 Jahre. Fällt schon von weitem auf,  weil immer nur mit ca. 61,5 km/h unterwegs, wo 70 erlaubt sind.
pesen sich schnell fortbewegen, sei es laufend oder mit Hilfe eines Fahrzeugs
piddeln an etwas herumfummeln, besonders wenn es dabei um das Ausdrücken von Mitessern geht
piefig spießig, kleinkariert. In unserer Stadt gibt es ganze Stadtteile, die sich durch diese Eigenschaft auszeichnen (Gartenzwerge allenthalben, Sofakissen mit Knick in der Mitte, Autofensterklorollenhäkelmützen und dergleichen Scherze mehr)

pinkelkindrig

extrem unordentlich. Herkunft: Bei einem Urlaub in Holland hatten wir einen wunderbaren Blick auf das Nachbargrundstück. Der Garten glich eine Müllhalde, durch die Fenster war nichts mehr zu sehen, die waren mit Gerümpel vollgestellt. Ebenso offensichtlich die Toilette, denn mehrfach täglich sah man, wie die Kinder der Nachbarn stattdessen den Garten zweckentfremdeten. Daraus wurde dann der Ausspruch „Hier sieht es ja aus wie bei den Pinkelkindern!“ Mittlerweile auch in adjektivierter Form verwendet.

Pinökel wird oft verwendet, jeder bei uns weiss, was gemeint ist, aber erklären? Nur ein Versuch: ein Griff oder Verschluss oder ein Turm auf einem Berg oder, oder oder,...
plästern mit langem "ä": regnen, entweder besonders heftig oder besonders nachhaltig; neutraler ist "räänen"
Plätschkapp Kopfbedeckung; insbesondere das, was neudeutsch als Basecap bezeichnet wird, aber auch weniger moderne Modelle
plempern 1. kleckern, schlabbern ("plemper nich alles voll Wasser"
2. etwas verplempern = verschwenden
Plörre nicht besonders Vertrauen erweckende Flüssigkeit. Das kann ein Wein sein, der sich an der Grenze zur Körperverletzung bewegt, Bier, das den Namen nicht verdient, aber z. B. auch ungenießbarer Kaffee
Plörren Siebensachen, hauptsächlich die zum Anziehen. "Räum deine Plörren weg!" Gleichbedeutend mit Plussen
Plussen mit weichem "s" wie "Soose", gleichbedeutend mit Plörren
Podisching Purzelbaum; Begriff aus der Kleinkindsprache; etwas flächendeckender wird verstanden Kusselkopp

poofen

schlafen, auch substantivisch zu verwenden: die Poofe = das Bett

porkeln an oder in etwas herumstochern, herumfummeln; am Wachs einer brennenden Kerze, in den Ohren, im verstopften Abfluss,...

Prängel

Knüppel

Primel

Sammelbezeichnung für Pflanzen aller Art, das geht bis hin zur „Weihnachtsprimel

Prött

Kaffeesatz

Pröttel Kram, Zeug ("Lass deinen Pröttel nicht überall herumliegen")

Prümme

Pflaumen

Püngel größere Ansammlung von Textilien, ein Stoß Wäsche oder auch ein Stapel Bettzeug

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