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Das Krause-Familien-Wörterbuch Teil 3


Dieses Wörterbuch enthält ausgewählte rheinische, plattdeutsche, ruhrgebietsdeutsche und andere regionale Ausdrücke, die sich in unser tägliches Familien-Deutsch eingeschlichen haben und über die niemand mehr nachdenkt. 

Natürlich könnte man auch nachschlagen unter

Rheinisch
 
oder

Plattdeutsch
 
oder

Ruhrgebietssprache
 
Aber so einfach ist das nicht. Erstens verstehen wir davon das meiste selbst nicht. Und zweitens haben einige Begriffe bei uns eine ganz eigene Bedeutung bekommen, so dass man nie sicher sein kann, dass wir auch wirklich das meinen, was andere vielleicht darunter verstehen.
Und nicht zu vergessen: die vielen Eigen-Kreationen, die ohnehin in keinem noch so klugen Lexikon stehen

Darum hier also das ganz persönliche Krause-Lexikon.
Für Erweiterungs- und Verbesserungsvorschläge habe ich jederzeit ein offenes Ohr.

Und zur besseren Übersicht: Die aktuellsten Beiträge sind in dieser schicken Trendfarbe gekennzeichnet.

Und zum schnelleren Finden:

A - J
K - P R S T U V W X Y Z


räänen rheinisch für regnen, im Gegensatz zu "plästern" kommt es auf Heftigkeit oder Nachhaltigkeit nicht an
rachullerig gierig
rambasseln etwas mit viel Schwung (ungewollt) anstoßen, (z.B. mit dem Kopf gegen die Wand rambasseln)
ramdösig verrückt;  "Bei diesem Lärm wird man ja ramdösig"
Rammel nichts Unanständiges, lediglich ein großes Stück Käse, Wurst, Brot,...
reseröm rheinisch für "rechts rum", das analoge "linseröm" wird weniger verwendet, warum auch immer...
Riefkooche Reibekuchen; ob identisch mit Kartoffelpuffer, ist im Familienrat strittig. Die Gegenthese:  Reibekuchen werden aus rohen, geriebenen Kartoffeln hergestellt, während Kartoffelpuffer aus Kartoffelpüree bestehen

Rolltreppensyndrom

Die Angewohnheit vieler Leute, ständig an den unmöglichsten Stellen stehen zu bleiben und damit alles zu blockieren. Am unangenehmsten eben am Ende einer Rolltreppe, wo es für die Nachfolgenden kein Entrinnen gibt

Rübenbank Volks- und Raiffeisenbank. Hier drängte sich uns zuweilen der Eindruck auf, dass die Kompetenz im Bereich Ackerbau und Viehzucht größer ist als die im Geldgeschäft
Rülpskirschen Radieschen

schlabbern hat mehrere Bedeutungen:
  1. kleckern (peinlich, wenn im Konfirmationsgottesdienst der Pfarrer beim   Austeilen des Abendmahls laut durch die Kirche ruft: "huch, jetzt hab' ich geschlabbert!")
  2. ausfallen lassen; "Das Geige Üben habe ich heute ausnahmsweise mal geschlabbert!"
schludrig nachlässig, nicht ganz so schlimm wie schlunzig
Schluffen Hausschuhe; häufig gebrauchter Satz bei uns zu Hause: „Wo sind deine Schluffen?!?“
Schluffi

gutmütiger Mensch, lässt sich vieles gefallen, stellt sich auch schon mal etwas schusselig an

schlunzig schlampig, ohne jegliche Sorgfalt, noch etwas stärker als schludrig
Schmackes Schwung "da isser mit Schmackes gegen die Wand gerannt"
schnasseln (weiches "s" wie "Soose"!) in fröhlicher Runde Alkohol trinken

Schnatterbüx

ständig frierender Mensch

Schnüff

„Darauf habe ich kein Schnüff“ = „Dazu habe ich keine Lust“

Schnüss Mund, vor allem im Zusammenhang "Wisch die Schnüss ab"
schnuppen naschen, Süßigkeiten essen "Sollz nich widda vorm Mittachessen schnuppen!"
...schön, dass ihr gekommen seid! Die ritualisierte Antwort der Gastgeber auf die Bemerkung der Gäste
schrappig raffgierig
Schrappnelle wenig schmeichelhaft für eine weibliche Person, ähnlich wie "dösige Hippe"
schrömmelig unansehnlich, mickrig
schusselig zerstreut, unkonzentriert; Beispiel: innerhalb kurzer Zeit wird mehrfach die Jahreskarte für die öffentlichen Verkehrsmittel vergessen. Zu dumm, dass gerade an diesen Tagen Kontrollen stattfinden...
Schweinereien ... gibt es bei uns gelegentlich als Abendessen. Gemeint sind damit die leckeren Kleinigkeiten, die es an griechischen, türkischen oder anderen mediterranen Ständen zu kaufen gibt: gefüllte Weinblätter, gegrillte Auberginen, eingelegte Tintenfische, Oliven und Peperoni aller Art, ...
sickig sauer, ungehalten
siffig völlig verdreckt
simmelieren nachdenken; nicht zu verwechseln mit simulieren, das wird auch bei uns im allgemein gebräuchlichen Sinn verwendet
Soose mit zwei weichen "s" und langem "o"; Aussprache von "Sauce", die unsere Tochter zur Weissglut bringt
spachteln (mit großem Appetit) essen

spack

stramm, eng (bei Kleidung, die früher vielleicht mal besser gepasst hat)

spinxen gleichbedeutend mit lünkern
Spökes Unsinn, Unfug ("Der soll kein Spökes machen, sondern arbeiten!")
Sputniks Lockenwickler. Nicht so häufig gebraucht, weil wir mit diesen Gebrauchsgegenständen nicht mehr oft konfrontiert werden, aber neulich eben doch. Und da fiel mir dieser Jahrzehnte alte Fachbegriff wieder ein

Stampes

Sauerkrautauflauf

stickum klammheimlich ("Da hatter sich ganz stickum ausm Staub gemacht")
Stinkadores Käse mit besonders intensivem Wohlgeruch
stochen schnell fahren; "Waaas, ihr seid schon da? Da seid ihr aber ziemlich gestocht!"
strempelig unförmig, hässlich, benutzt für wenig geschmackvolle Blumenarrangements
sülzen auch rumsülzen: ausgiebig und ausdauernd dummes Zeug reden

Täsch

wörtlich Tasche, gebraucht aber nur mit "Leck mich inne Täsch" = "Du kannst mich mal gern haben"
tapern gehen, aber eher lustlos und ohne viel Schwung
teilacken „Geh teilacken“ heisst soviel wie „hau ab,“, „geh weg“; scherzhaft!
Toaster bestimmter S-Bahn-Typ, vorwiegend auf unserer Heimat- strecke im Einsatz; heisst in Berlin allgemein so, weil solche Wagen schon mehrfach im Tunnel gebrannt haben

tottern

sich unterhalten, gelegentlich auch etwas lästerlich, wenn es sich um mehrere weibliche Beteiligte handelt oder wenn die Tätigkeit zu unpassenden Zeitpunkten ausgeübt wird (im Schulunterricht, während der Chorprobe etc.)

Touristen kleine Kinder in Gummistiefeln und Regenzeug gegenüber unserem Esszimmerfenster; bei Regenwetter verwandelt sich der Platz dort in eine Seenlandschaft und wird so zum Wallfahrtsort für alle Familien mit Kleinkindern aus dem näheren und weiteren Umkreis
Tranfunzel Mensch mit dem Temperament einer Schlaftablette ("Valium-Joe");  gleichbedeutend mit Trantüte
Trantüte s. Tranfunzel
trecken ziehen; häufig verwendet für Durchzug ("Et treckt, mak de Dor tau" - "Es zieht, mach die Tür zu")
Trethupe Hund, der die Größe eines mittleren Kaninchens nicht überschreitet, meistens zu sehen mit Schleifchen im Haar und warm gekleidet
trielen kleckern, tropfen (Teekannen sind oft Trielkannen); hat nicht direkt was zu tun mit vertrielt
Trissebude Toilettenhäuschen, Plumpsklo. Die Bezeichnung stammt aus dem Buch "Michel aus Lönneberga" von Astrid Lindgren ,das ich als Kind geliebt habe und das auch zur Lieblingslektüre unserer Tochter gehörte
Trulla wenig zärtliche Anrede für eine weibliche Person ("ey, du Trulla, geh mal aus dem Weg!")

ullig klein (bei Kindern) "Kumma watter Ullige da macht!"
... und vielen Dank für die Einladung mittlerweile im größeren Familien- und Freundeskreis zum Ritual geworden. Gäste machen diese Bemerkung im Laufe des Abends mindestens 5-10 mal, die Antwort der Gastgeber darauf ist ebenso festgelegt:
us de la meng freihändig, ohne genaue Anleitung, nach Gefühl sozusagen
Uschi Die nette Dame vom Navigationssystem. Wir haben so ein Gerät aus Prinzip nicht, schließlich können wir Karten lesen!

uselig

unwohl („mir ist uselig“), aber auch: useliges (= ungemütliches) Wetter


verkasematuckeln jmd. etwas haarklein auseinandersetzen

verknusen

„Das kann ich nicht verknusen“ = „Das kann ich nicht leiden“

verschütt verloren, verschollen, aber auch so gut versteckt, dass man es selbst nicht wiederfindet
vertellen Erzählen , mehr aber im Sinnne von klarmachen („vertell das mal deiner Mutter“)
vertrielt verschlafen; so, wie mich meine Tochter jeden Morgen beim Wecken anguckt...; die direkte Sinnverwandtschaft zu trielen hat sich mir noch nicht erschlossen.

wärm

oder besonders betont wärrem: warm

Weicheihaube Die Plexiglashaube im Sessellift, die manche Skifahrer selbst bei schönstem Wetter schließen müssen - nach dem Motto: Bezahlt ist bezahlt!
West-Kekse eigentlich genau so wie Ost-Kekse, sind aber eckig und haben einen mehr oder weniger dezenten Kokos-Touch
wettparken das, was manche Autofahrer tun, die mit Tempo 40 dort fahren, wo eigentilch 70 erlaubt ist

Wuchtbrumme

schwergewichtige Person weiblichen Geschlechts

wullacken

schuften, schwer arbeiten


zerpliesern auseinanderfallen, sich auflösen
zu Fuß am Esstisch: "Reich mir bitte mal ein Stück Brot zu Fuß" bedeutet: Gib mir ein Stück Brot MTV und lass den Korb auf dem Tisch stehen

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